Simmerringe wechseln

Benötigtes Werkzeug:

Schraubendreher
Knarre und passende Nüsse
Gegenhalter für’s Polrad
Polradabzieher
– Gefäß zum Öl ablassen

Bauteile, die erneuert werden müssen:
Kurbelwellensimmerringe
Getriebeöl
Seitendeckeldichtung
Kupferring Ölablass
Sicherungsblech am Primärantrieb

Schwierigkeit:
7/10 (anspruchsvoll)

Geschätzter Zeitaufwand:
ca. 60-90 Minuten

Schaue dir hier das Video dazu an:

Info vorab:
Falls ihr einen älteren Motor der 50er Baureihe habt (beispielsweise aus einer S50 oder einer 1er Schwalbe), können die Kurbelwellensimmerringe nicht ohne Weiteres gewechselt werden, da dafür der Motor gespalten werden muss!

Woran erkennt man, dass ein Simmering auf der Kurbelwelle den Geist aufgibt?

Dazu erinnern wir uns an das Nebenluft-Video! Wenn das Verhältnis zwischen Luft und Benzin im Brennraum nicht mehr stimmt, verbrennt euer Moped das Gemisch nicht vernünftig! Und genau dieses optimale Verhältnis wird durcheinander gebracht, wenn einer der Dichtringe nicht mehr ordnungsgemäß abdichtet. Dichtet der Simmerring auf der rechten Seite der Kurbelwelle nicht mehr richtig ab, wird durch den Unterdruck (wenn der Kolben aufsteigt) zusätzlich Nebenluft angesogen! Ein Anzeichen hierfür kann eine verölte Zündung/Grundplatte sein. Wenn der Simmerring auf der linken Seite undicht ist, wird Getriebeöl angesogen (Bild1). Das verbrennt auf gut Deutsch ziemlich besch…!
Oft ist es ein schleichender Prozess! Das Moped springt langsam aber sicher immer schlechter an. Bei laufendem Betrieb verschlechtert sich das Fahrverhalten. Wenn Getriebeöl verbrannt wird, dann kommt beim Start oft eine dichte Rauchwolke aus dem Auspuff! Wenn das Getriebeöl nach Benzin riecht, kann dies ein Anzeichen für einen defekten linken Dichtring bedeuten.
Wenn man all diese Anzeichen ignoriert, kann das Unterwegs fatal enden. Durch Wärmeausdehnung bei laufendem Motor verschlechtert sich der Zustand weiter und das Resultat ist eine Panne, bei der es weder Vorwärts noch Rückwärts geht!
Lange Rede, kurzer Sinn: Bei Verdacht auf einen Defekt der Dichtringe sollten diese getauscht werden.

Vorgehensweise beim Wechseln:

Die folgenden Arbeiten können Problemlos am eingehängten Motor durchgeführt werden, wenn man vorab die Trittbleche entfernt und sich ein bisschen Platz verschafft!

Fangen wir auf der rechten Seite an:
Zunächst wird der Motorseitendeckel gelöst und die Polradmutter (+ Federring) entfernt! Dafür wird ein Gegenhalter für das Polrad benötigt (Bild 2)! Als nächstes wird mit Hilfe eines Polradabziehers das Polrad/Schwungmasse entfernt (Bild 3)! Die Ausrichtung der Grundplatte sollte man sich merken und zur Not kurz markieren, denn danach werden die Halteprazen der Grundplatte oben und unten gelöst und die Grundplatte entfernt (Bild4)!

Dahinter ist er, der rechte Simmerring!

Sieht er alt aus?
Ist er womöglich schon gammelig?
Hat er Unebenheiten oder Risse, an denen Luft eindringen kann?

…Egal, so oder so wird er jetzt entfernt!
Dabei kann es vorkommen, dass sich der Simmerring beim Raushebeln aufgrund seines Alters keinen Zentimeter bewegt! In diesem Fall muss man etwas kreativ werden. Einige helfen sich mit einer Bohrmaschine und einer Spaxschraube (Bild 6). Aber Achtung, der Motor kann dabei irreparabel beschädigt werden, ein sicherer Umgang wird vorausgesetzt!
Der neue Simmerring wird mit etwas Fett oder Schmieröl vorsichtig von innen gefettet (wirklich NUR von innen, schließlich soll sich der Simmerring nicht gleich wieder im Gehäuse mitdrehen).
Der neue Dichtungsring wird erstmal so weit wie möglich reingedrückt und dann vorsichtig mit gleichmäßigen Hammerschlägen soweit nachkorrigiert, bis er bündig mit dem Gehäuse abschließt (Bild 6)! Danach wird wieder alles in umgekehrter Reihenfolge montiert!

Kümmern wir uns nun um die linke Seite: Zunächst wird das Getriebeöl abgelassen (Bild 7).
Wenn das Öl vollständig abgelassen ist und die Seitendeckel-Schrauben gelöst sind, kann der Deckel vorsichtig mit einem Schraubendreher abgehebelt werden (Bild 8)!
Das restliche Öl sollte jetzt ausgewischt werden.
Nun wird’s spannend: Der Primärantrieb muss runter!
Dazu wird zunächst das Sicherungsblech mit Hammer und Schraubendreher aufgebogen (Bild 9). Es muss beim Einbau unbedingt erneuert werden. Danach wird die Mutter vom Ritzel gelöst. Dazu gibt es die verrücktesten Methoden, einige davon tun schon beim Zusehen weh. (Stichwort: Lappen oder Holzlatte zwischen die Zahnräder)!
Diese Methoden bitte lieber vermeiden und das herkömmliche Blockierwerkzeug verwenden! Ich bilde mir zudem ein, dass der Primärantrieb schon am besten in der bisherigen Stellung auf den Kupplungskorb eingespielt ist, und mache mir vor der Demontage eine Markierung um ihn nachher genau in dieser Stellung wieder zu montieren! Da gehen die Meinungen jedoch auseinander!
Zurück zum Thema: Blockierwerkzeug anbringen und die Mutter vom Primärritzel lösen (Bild 10).
Wenn der Primärantrieb ab ist, kann auch hier der Austausch des Simmerrings genau wie auf der rechten Seite erfolgen! Beim Wiedereinbau Sicherungsblech, Seitendeckeldichtung und den Kupferring an der Ablassschraube erneuern! Falls noch Reste von der alten Dichtung auf der Dichtfläche des Deckels kleben, müssen diese unbedingt vorher entfernt werden, da sonst der Motor ganz schnell wieder undicht wird!

Das Wechseln der Simmerringe (insbesondere des Linken) kann schon etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen und gehört daher schon zu den “fortschrittlicheren Wartungsarbeiten”.
Viel Erfolg beim Schrauben!

Bild 1: gestörtes Mischverhältnis beim Defekt des linken Simmerrings

Bild 2: Mutter am Polrad lösen

Bild 3: Entfernen des Polrades

Bild 4: Halteprazen lösen, vorher Stellung der Grundplatte merken!

Bild 5: Alternative Methode zum Entfernen, aber Achtung beim Bohren!!

Bild 6: Beim Einbau des Simmerrings wenn nötig vorsichtig mit Hammerschlägen korrigieren

Bild 7: Öl ablassen

Bild 8: Seitendeckel aufhebeln

Bild 9: Sicherungsblech aufbiegen

Bild 10: Primärantrieb blockieren und Mutter lösen

Bild 11: Wiedereinbau nach dem Wechsel