Lagerbuchsen einpressen

Schaue dir hier das Video dazu an:

Warum werden Lagerbuchsen verbaut?

Einige Bauteile am Moped (wie zum Beispiel die Schwingen) müssen in ihrer Beweglichkeit flexibel bleiben und werden deshalb über Buchsen gelagert. Zusammen mit einem Lagerbolzen funktionieren diese wie eine Art Gelenk und sorgen für eine Federung bestimmter Bereiche. Zudem sorgen Lagerbuchsen (besonders am M53-Motor) für eine zusätzliche Vibrationsdämpfung.

Wann sollten Lagerbuchsen gewechselt werden?

Besonders das Gummimaterial der originalen Lagerbuchsen wird mit der Zeit alt und porös. Grundsätzlich sollten die Buchsen dann gewechselt werden, wenn das Spiel der Metallhülse in der Buchse zu groß wird oder sich das Gummi bereits an einigen Stellen verabschiedet hat. Durch eine Sichtkontrolle (Bild 1) wird relativ schnell deutlich, ob sich die Buchse noch in einem passablen Zustand befindet.

Welches Material sollte für die Buchsen verwendet werden?
Für die Lagerbuchsen stehen in der Regel drei Materialien zur Verfügung: Gummi, Polyamid und Polyurethan. Die Wahl des Materials ist Geschmackssache, hier einmal die wesentlichen Vor- und Nachteile im Überblick:

Gummibuchsen:
Vorteile: Elastisches Material, starke Vibrationsdämpfung, gute Lagerung, billig in der Anschaffung
Nachteile: Materialverschleiß, Gummi härtet mit der Zeit aus und wird porös/ rissig, schwieriger Einbau

Polyamidbuchsen:
Vorteile: Leichter Einbau, langlebiges Material
Nachteil: schwächere Dämpfung der Vibration durch härteres Material

Polyurethan:
Vorteil: Ähnliche Eigenschaften wie Gummi, jedoch reißfester und langlebiger
Nachteil: Teuer in der Anschaffung

Wechseln der Lagerbuchsen:
Natürlich könnte man die alte Buchse jetzt ausbohren, getreu dem Motto „Es wird ja sowieso ausgewechselt…“.
In dieser Anleitung wird jedoch eine etwas elegantere Lösung vorgestellt:

Zuerst wird die Schwinge (z.B. im Schraubstock) fixiert.
Mit Hilfe einer Gewindestange, zwei Unterlegscheiben, Zwei Muttern und einer passenden Nuss mit dem gleichen Durchmesser wie das Schwingenauge (Größe 17) kann ein Ausdrückwerkzeug gebastelt werden (Bild 2+3).
Dabei wird zunächst eine Mutter auf die Gewindestange geschraubt und eine kleine Unterlegscheibe (etwa so groß, wie der Durchmesser der inneren Metallhülse von der Buchse) aufgelegt (Bild 4). Danach wird die Gewindestange durch die Buchse geführt. Von der anderen Seite werden die Nuss und eine große Unterlegscheibe aufgesetzt. Mit der zweiten Mutter wird alles fixiert (Bild 5).
Jetzt wird nochmals kontrolliert, ob die Nuss mittig auf dem Schwingenauge liegt. Nun beginnt man damit, die Mutter oberhalb der Nuss festzuziehen. Anfangs muss dabei ggf. die Mutter auf der anderen Seite gekontert werden. Sobald aber genug Druck auf die Buchse ausgeübt wird, ist das nicht mehr nötig. Je weiter ihr die Mutter reinschraubt, desto mehr wird die Buchse ausgedrückt. Der Ausdrückvorgang selbst ist oft mit größerem Kraftaufwand verbunden (Bild 6). Irgendwann ist die Metallhülse so weit hinausgedrückt, dass sie sich langsam beginnt mitzudrehen (Bild 7). An diesem Punkt hat man es quasi schon geschafft. Nach ein paar weiteren Umdrehungen ist die Metallhülse entfernt. Danach wird das Gummi mit Hilfe eines Schraubendrehers entfernt.
Bevor die neue Buchse eingepresst wird, sollte das Schwingenauge gründlich gereinigt und von Rost- und Lackierrückständen befreit werden. Zum Einbau sollte die Schwinge geschmiert werden. Hier kann Seife oder Spüliwasser verwendet werden. Auf keinen Fall sollten Fette oder Öle zum Schmieren benutzt werden. Diese verflüchtigen sich nach dem Einbau nicht mehr und sorgen für eine dauerhafte Schmierung, sodass die Buchse keinen festen Halt bekommt.
Zum Wiedereinbau kann die Ausdrückvorrichtung in umgekehrter Reihenfolge verwendet werden (Bild 10). Alternativ kann die Buchse mit Hilfe eines Schraubstocks eingepresst werden (Bild 9).
Bei Gummibuchsen wird zunächst das Gummi zu etwa einem Viertel in die Schwinge gesteckt und die Metallhülse ebenfalls zu einem Viertel in das Gummi geführt (Bild 8). Beides wird dann gleichmäßig in das Schwingenauge gepresst. Sollte sich dabei abzeichnen, dass das Gummi schief eingedrückt wird oder sich verdreht, wird der Vorgang abgebrochen und nochmal von vorne angesetzt.
Bei Polyamidbuchsen läuft dieser Vorgang in der Regel flüssiger ab. Am Ende muss es nicht perfekt sein und auch nicht 100%ig bündig mit dem Rand abschließen aber Buchse und Metallhülse sollten zumindest halbwegs gerade und mittig im Schwingenauge sitzen (Bild 11).

Am Ende bleibt festzuhalten: Übung macht den Meister. Anfangs tun sich viele Fragen auf und manchmal klappt das Einpressen nicht direkt auf Anhieb.
Achtung: Frustgefahr ;).
Aber wer es ein paar Mal erfolgreich gemeistert hat, der findet vielleicht sogar Spaß daran…

Bild 1: Sichtkontrolle, in diesem Zustand sind die Buchsen noch OK…

Bild 2: Benötigtes Material

Bild 3: Durchmesser des Schwingenauges

Bild 4: Zuerst eine Mutter und eine kleine Unterlegscheibe aufschrauben…

Bild 5: …Dann den Rest von oben anbringen: Nuss, große Scheibe und zweite Mutter

Bild 6: Buchse ausdrücken

Bild 7: Ausdrücken fast geschafft…

Bild 8: Anordnung beim Einpressen

Bild 9: Einpressen im Schraubstock

Bild 10: Einpressen mit dem Werkzeug in umgekehrter Reihenfolge

Bild 11: Fertig eingepresste Buchsen, hier weiße Polyamidbuchsen